MUSS NOCH ÜBERSETZT WERDEN!

Die Anfänge Rohraus sind nicht genau bekannt, doch tritt in einigen Urkunden des 13. Jahrhunderts ein Dietrich von Rohrau aus dem Geschlecht der Liechtensteiner als Zeuge auf. Daher muss man davon ausgehen, dass es eine Burg oder Veste mit einer Ansiedlung gegeben hat. In weiterer Folge waren die Herren von Stadeck Besitzer von Rohrau, bis diese Familie im Mannesstamme ausstarb und die Herrschaft Rohrau dem Grafen Herrmann von Cilli als Reichslehen übergeben wurde. Die einzige Tochter des letzten Herrn von Stadeck vermählte sich mit dem Grafen Ulrich von Montfort, der Ansprüche auf Rohrau geltend machte. 1404 wurde dann dem Grafen von Montfort die Herrschaft Rohrau vom Gegenkönig Rupprecht von der Pfalz geschenkt.

120 Jahre blieb nun Rohrau im Besitz der Grafen von Montfort, die 1524 die Herrschaft und Veste Rohrau an Leonhard III. von Harrach verkauften. 1525 gab König Ludwig von Ungarn seine Einwilligung, dass Leonhard III. auch jenen Teil der Herrschaft, der auf ungarischem Gebiet lag, erwerben konnte.

Vom Kaiser erhielt er für sich und seine Nachkommen das Recht sich “von Rohrau” zu nennen und mit rotem Wachs zu siegeln. Fortan war Rohrau Grundstock und Ausgangspunkt Harrach’schen Grundbesitzes, zu dem im Laufe der Jahre noch andere Besitzungen und Liegenschaften hinzugekauft wurden. Durch den Beginn der Türkenkriege 1593 kamen schwere Zeiten auf Rohrau und seine Umgebung zu. Im Verlauf der Kämpfe wurde das Schloss stark beschädigt, sodass um Mitte des 17. Jahrhunderts das Schloss als Ruine angesehen werden musste. Erst 1668 begann Ferdinand Bonaventura Graf von Harrach das Schloss zu renovieren. Von der ursprünglich mittelalterlichen “Veste Rorrow” ist heute nichts mehr zu erkennen, und wahrscheinlich dürfte der Sohn des ersten Harrach auf Rohrau, Leonhard IV., anstelle der mittelalterlichen Veste ein Renaissance-Wasserschloss gebaut haben. Das heutige Aussehen geht im wesentlichen auf die Renaissanceanlage zurück, wie man auch an dem oben abgebildeten Stich von Vischer von 1672 erkennen kann.

Die ebenfalls zur gleichen Zeit errichteten Wirtschaftsgebäude als Vorbau des eigentlichen Schlosses, zeigen auch heute noch im wesentlichen ihre ursprüngliche Form. Erst in späterer Zeit wurde die Haupteinfahrt über die Hauptachse des Schlosses geführt, und nicht wie auf dem Stich zu ersehen, über eine Holzbrücke im südlichen Turm des Vorbaus der Schlossanlage. Der ursprünglich dreigeschossige Mittelrisalit über der Einfahrt wurde um 1688 durch einen hohen, hölzernen Dachreiter ersetzt.

Bleistiftzeichnung Der letzte Umbau, der dem Schloss sein heutiges Aussehen gegeben hat, erfolgte von 1776 – 1777 unter Leonhard IX. Graf von Harrach. Andreas Zach war in dieser Zeit einer der namhaftesten Architekten Wiens und wurde mit dem Umbau des Schlosses betraut. Der dreigeschossige Mittelrisalit über der Einfahrt des Nordtraktes wurde wieder der zweigeschossigen Gebäudehöhe angepasst. Es wurden ebenfalls die Stiegenhäuser umgebaut und die flachen Mittel- und Eckrisalite dem ursprünglichen Mauerwerk vorgeblendet. Die Fassade von Schloss Rohrau ist eines der ganz wenigen Beispiele josephinischer Architektur in Österreich.

Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs war das Schloss Wohnsitz verschiedener Mitglieder der Familie Harrach. Durch die Kriegswirren und die nachfolgende Belegung durch die russische Besatzung wurden die Räumlichkeiten des Schlosses landwirtschaftlichen Zwecken zugeführt.

1966 wurde der Plan gefasst, die “Graf Harrach’sche Gemäldegalerie” vom Palais Harrach in Wien nach Rohrau zu verlegen. Durch dieses Vorhaben wurde das Schloss durch eine großzügig angelegte Generalsanierung vor dem endgültigen Verfall gerettet, und 1970 konnte die wertvollste und größte Privatsammlung Österreichs in das von Grund auf renovierte Schloss übersiedeln. Seither kommen jährlich Tausende kulturinteressierte Besucher nach Rohrau, um dieses kunsthistorische Juwel zu besichtigen. Dass dies alles gelingen konnte, ist vor allem das Verdienst der heutigen Besitzerin von Schloss Rohrau, Stephanie Gräfin Harrach, die die Gemäldesammlung in den heute zu besichtigenden Räumen unterbrachte. Durch diesen persönlichen Einsatz ist es gelungen, dem Besucher den Eindruck zu vermitteln, sich nicht in einem nüchternen Museum zu befinden, sondern in einem Haus, das lebt. Das Entstehen der Sammlung ist nicht auf ein wissenschaftlich-systematisches Prinzip zurückzuführen, sondern auf persönlichen Geschmack und individuelle Vorlieben der Sammler. Diese sehr persönlichen Aspekte ergeben die Einheit des gesamten Ensembles, die den Besuchern vor Augen geführt werden.